Das Evangelium – volksnah und ohne kritische Töne

Bergsträßer Anzeiger, 18.04.2006

Karfreitagskonzert: Gut besuchter Auftritt von Martin Pepper und Band im Parktheater / Lobpreiskultur zum Mitsingen

Bensheim. Wenn ein Konzert gleichzeitig Gottesdienst ist, kommt es in erster Linie auf das gesprochene, respektive gesungene Wort an. Damit die Zuhörer im gut besuchten Parktheater nicht nur lauschend auf den Hockern sitzen, sondern auch kräftig mitsingen konnten, wurden die Liedtexte von Martin Pepper groß auf die Leinwand projiziert. Der Berliner Pastor und Pianist gehört seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern der deutschen Lobpreiskultur und gestaltete auch in Bensheim ein Karfreitagskonzert, das den vielen Fans in musikalischer Vielfalt aus den Seelen sprach.

Die Begeisterung über den Gast des Bergsträßer Begegnungskreises, der die Konzerte seit zwanzig Jahren veranstaltet, wurde allerdings getrübt durch ein leidiges Tonproblem, das Peppers an sich glasklare Stimme die gesamte erste Hälfte mit einem unschön zerrenden Geräusch belegte. Schade, denn die instrumentale Güte der vierköpfigen Band war durchaus bemerkenswert: statt der bei ähnlichen Künstlern grassierenden stilistischen Einseitigkeit bietet Pepper ein breit gefächertes Repertoire an Popsongs und Balladen, rockigen Uptempo-Nummern bis hin zu verjazzten und bluesigen Stücken, mit denen er sein Publikum bei Laune hält.

Zweifellos sind es aber die sensibel vorgetragenen Botschaften des 48 Jahre alten Musikers, die seinen anhaltenden Erfolg begründen: persönliche Bekenntnisse zu Gott, in lyrische Harmonie verpackte Strophen, die den Glauben als freudige und geistliche tief gehende Erfahrung preisen. Musik, die wie eines von Peppers Liedern charakterisierbar ist: „Einfach, still und leise“; womit der Combo keineswegs eine an Ecken und Kanten arme Musik unterstellt werden will.

Martin Pepper ist ein christlicher Künstler, der das Evangelium – mit eigener Plattenfirma – volksnah und fern von kritischen Zwischentönen zelebriert. Sein Publikum muss der ohnehin nicht mehr überzeugen, auch im Parktheater wimmelt es von begeisterten Fans, die das Peppersche Repertoire auswendig vorsingen können, was dem Konzert eine nette gemeinschaftliche Atmosphäre verliehen hat. War der zweite Teil inhaltlich vom Thema Ostern dominiert, konzentrierte sich Pepper in der ersten Hälfte auf jene Art von Anbetungsmusik, mit der er bekannt geworden ist: das jazzige „Du bist es wert“ war ein schönes Intro, das leider von den erwähnten Klangproblemen zerstückelt wurde. „Voller Freude“ kam strammer und gitarrenlastiger daher. Zu den Lieblingsliedern des Publikums zählten „Rückenwind“, das junge „flügelleicht“ und die Ballade „pfeilgerade“, in der Pepper die Nähe zu Gott im Leben betont. Abseits des weltlichen Getöses zieht sich der Pianist und Sänger gern auf eine ruhige innere Insel zurück, auf der Stücke entstehen wie das eingängige „Starker Turm, Auge im Sturm“ oder das poetische „Wärst Du nicht“, das Martin Pepper an den Psalm 124 angelehnt hat.

Wiederholt widmet sich der Musiker dem Thema des verlorenen und wiedergefundenen Glaubens („ Es tat so gut“), in dessen künstlerische Umsetzung immer auch persönliche Erfahrungen und Begegnungen mit einfließen – und genau das macht seine Glaubwürdigkeit aus. Peppers Karfreitagskonzert hat die Menschen in vielerlei Hinsicht erreicht und bewegt. Tr

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