Mit Rückenwind in die Landeskirche

IDEA 40/2019 vom 17. Februar

MUSIK Der Berliner Martin Pepper (60) ist einer der bekanntesten christlichen Lobpreismusiker in Deutschland. Über 20 Musikalben hat er veröffentlicht. Bisher gehörte er verschiedenen Freikirchen an. Jetzt wechselte er in die evangelische Landeskirche. Von Klaus Rösler

Manche Lieder und Texte von Martin Pepper sind moderne „Klassiker“, die in christlichen Liederbüchern Eingang gefunden haben oder Sonntag für Sonntag per Beamer an Leinwände projiziert werden: „Allein deine Gnade genügt“, „Auge im Sturm“, „Rückenwind“. Sein Name steht für „vielseitige, eingängige und mitsingbare Popmusik mit christlichen Glaubensinhalten“, heißt es auf seiner Internetseite.

Erfahrungen in vielen Freikirchen gesammelt

Er hat eine bewegte christliche Vergangenheit. Geboren als Katholik fällt er als Jugendlicher vom Glauben ab, findet in der Jesus-People-Bewegung wieder zurück, lässt sich bei den Baptisten taufen, studiert Theologie und Musik an charismatisch geprägten Ausbildungsstätten. 1981 wird er Pastor des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Er arbeitet im Christlichen Zentrum Berlin, gründet aber 1987 die evangelische Freikirche „Gospelgemeinde Berlin“, die zur Gemeindebewegung „Foursquare“ gehört – benannt nach den vier Eckpfeilern des Glaubens, Jesus der Retter, der Heiler, der Täufer im Heiligen Geist und der wiederkommende König. Seit dem Jahr 2000 ist er von seiner pastoralen Arbeit freigestellt, um sich ganz der Musik widmen zu können. Zuletzt besucht er als Gast immer wieder eine Evangelisch-methodistische Gemeinde.

Ein überzeugter Freikirchler durch und durch? Nein. „Die Gottesdienste evangelischer Kirchen besuche ich schon seit Jahren mit innerem Gewinn.“ Was ihm dort gefällt: „Die theologische Denkweite und Weltoffenheit. Hier sieht man die Welt nicht nur als problematisches Missionsfeld, sondern als bewahrens- und erforschenswerte Schöpfung Gottes.“ Sein eigenes Glaubensverständnis sei über Jahre erweitert worden: „Jetzt wurde es Zeit für mich, mich dazu zu bekennen.“ Sein Schritt geschehe aus Solidarität, Dankbarkeit und einem Verantwortungsgefühl heraus, sagt Pepper der idea.

Nicht vom leidenschaftlichen Glauben abgefallen

Er kann verstehen, dass manche Freikirchler mit seinem Kirchenwechsel Probleme haben. „Ihnen erscheint das vielleicht wie ein Abfall vom leidenschaftlichen Glauben an die Wahrheit Jesu, die Inspiration der Heiligen Schrift und die Kraft geisterfüllter Anbetung.“ Dies sei ihm aber nach wie vor weiter wichtig. „Ich habe entdeckt, dass diese Elemente auch in der evangelischen Kirche ihren Platz haben.“ An den landeskirchlichen Gottesdiensten schätze er „das manchmal offenere Nachdenken und Abwägen über die Ausprägungen unseres Glaubens in einer modernen, wissenschaftlich geprägten Lebenswelt“.

Den Kontakt zu freikirchlichen Christen schätzt und pflegt nach wie vor – bei seinen Konzerten und Vortragsreisen: „Ich gehöre weiterhin zu ihnen, und sie sind ein Teil von mir.“ Manche engen, freikirchlichen „theologischen Systeme“ könne er heute aber nicht mehr überzeugt vertreten. Pepper: „Ich stehe für eine moderne Vielfalt und Verständlichkeit des Glaubens, eine Liebe zu Gott mit Herz, Seele, Verstand und Kraft.“ Sein Fazit: „Ich bin ein freier Mensch und habe von meiner Freiheit Gebrauch gemacht.“ Die evangelische Kirche setze die Lehre Luthers von der „Freiheit eines Christenmenschen“ in hoher Konsequenz um: „Das ist der Grund, warum ich in die Landeskirche eingetreten bin.“

idea e.V.
Evangelische Nachrichtenagentur

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*